Gesellschaftliche Stellung des Ehrenamtes

 

Roderich Kiesewetter (MdB) zum Gespräch und Ideenaustausch zu Besuch bei Kreisfeuerwehrverband und Kreisjugendfeuerwehr Ostalb. (rdo)

Was kann eine Gesellschaft tun um funktionsfähig zu bleiben?

Sinkende Begeisterung bei jungen Menschen etwas freiwillig, ehrenamtlich, für den Nächsten zu tun schafft große Lücken. In Zeiten des demographischen Wandels wird es immer wichtiger junge Menschen für ein Ehrenamt in unserer Gesellschaft zu begeistern.
Auf Einladung der Kreisjugendfeuerwehr Ostalb traf sich im Rettungszentrum in Aalen Roderich Kiesewetter (MdB) mit Vertretern des Kreisjugendfeuerwehr und des Kreisfeuerwehrverbandes. Darunter KFV Vorsitzender Klaus Kurz, KBM Otto Feil, stellv. KBM Kai Niedziella, KJFW Daniel Maier sowie der Ausschuss der Kreisjugendfeuerwehr Ostalb.
Nachwuchssorgen bereitet allen Hilfsorganisationen Sorgen, der Demographische Wandel geht auch leider nicht an der Feuerwehr vorbei. In lockerer Gesprächsrunde ließ sich Kiesewetter ein Bild der derzeitigen Situation um das Ehrenamt Feuerwehr schildern.
Da nach eigenen Umfragen über 70% der Jugendlichen in den Jugendfeuerwehren auf Grund familiärer Beziehungen in die Jugendfeuerwehr eintreten, stellt sich die Frage wie sich auch andere Jugendliche für dieses Ehrenamt begeistern lassen. Maier und Kurz berichteten über die Bemühungen der Landesfeuerwehrverbandes zur Schaffung von Kindergruppen in der Jugendfeuerwehr. Kinder im Alter zwischen 6 – 10 Jahren sollen spielerisch an die Jugendfeuerwehr herangeführt werden. Erste Erfolge seien hier aus Riesbürg zu melden wo schon eine gut funktionierende Kindergruppe in der Jugendfeuerwehr eingerichtet wurde. Die Vorschläge zur Verknüpfung zwischen Ehrenamt und ganztäglicher Schulbildung, sowie das Thema Ehrenamt in den Lehrplänen einzubinden wurden Kiesewetter unterbreitet.
Unter der Frage „Viele wissen gar nicht was wir tun?“ ging es um die Unwissenheit über das Ehrenamt Feuerwehr. Im Wandel der Zeit wurden die Aufgaben einer Feuerwehr vielseitiger als man ahnt. Weg von der Feuerwehr die alle zwei Wochen übt und ab und zu mal zu einem Brandeinsatz fährt hin zur hoch technisch ausgerüsteten Feuerwehr die Sicherheitszellen von Autos zerschneiden oder mit den Gefahren der Solaranlagen umgehen muss. Leider ist gerade bei Bürgern mit Migrationshintergrund diese Unwissenheit hoch. Aus Ländern kommend in denen die Feuerwehr staatlich organisiert ist, ist das Ehrenamt Feuerwehr in Deutschland oft nicht bekannt. Besonders die Städte im Kreis haben hierdurch Probleme bei der Jugendgewinnung. Kiesewetter und die Kreisleitung der Feuerwehr waren sich schnell klar, dass man hier ansetzen muss. Kiesewetter schlug einen runden Tisch zwischen Hilfsorganisationen und Kulturgemeinschaften vor, der das Ziel hat das Ehrenamt Bürgern mit Migrationshintergrund näher zu bringen.
Fluktuation auf Grund von steigendem Leistungsdruck durch immer komplexere Einsatzsituationen und hohem bürokratischem Aufwand belasten die Führungskräfte. Wie soll bei immer weniger Freiwilligen, der qualitativ hohe Standard im Feuerwehrwesen gehalten oder sogar weiter ausgebaut werden? Die Unterstützung der Hilfsorganisationen soll laut Kiesewetter durch den Einsatz des freiwilligen sozialen Jahres vorangetrieben werden, bis 300.000 FSJler seien bundesweit möglich. Leider schafft dies laut Niedziella Konkurrenz zwischen Feuerwehr und Rettungsdiensten bei denen diese vermehrt eingesetzt werden. „Warum soll man einen hauptamtlichen Feuerwehrmann volles Gehalt bezahlen, wenn ein FSJler beim Rettungsdienst ähnliche Leistung umsonst erbringt?“.

Als Tenor der Veranstaltung war an Kiesewetter „Die Anerkennung des Ehrenamtes Feuerwehr wird leider in unserer Gesellschaft immer geringer“ gerichtet
Die Motivation Ehrenamt zu leisten wird immer weniger. Die Mitglieder des Kreisjugendfeuerwehrauschusses berichteten, dass Jugendliche oft ihr Ehrenamt auf Grund von beruflichen Zielen oder familiären Bindungen einstellen müssen. Die Anerkennung bei Firmen den Arbeitsplatz kurzfristig auf Grund eines Einsatzes oder zur Weiterbildung zu verlassen wird zwar aus rechtlichen Gründen genehmigt aber wird dennoch unter Vorgesetzten nicht gerne gesehen. Kiesewetter, selbst im Ehrenamt tätig, ist sich dieser Entwicklung bewusst und berichtete über Pläne für ein Zertifikat, das die Leistungen im Ehrenamt anerkennt und wirtschaftliche Anerkennung finden soll. Sogar Pläne für Ehrenamtstätige 2 Jahre früher abschlagsfrei in Rente gehen zu können werden angedacht. KFV Vorsitzender Kurz stellte klar das dies lobenswert sei, aber schwer umzusetzen ist. Zudem möchte man sich am Ehrenamt nicht bereichern.